Schulbegehung mit dem Bürgermeister

Lünen. Seit dem 23. April sind die Schulen in Lünen wieder für die Schülerinnen und Schüler geöffnet, die vor ihren Abschlussprüfungen stehen. Die Schulen und die Stadt als Schulträger hatten nur wenige Tage Zeit, um sich auf die Situation vorzubereiten.

Am Montag (27. April), dem dritten Tag der Schulöffnungen, besuchten Lünens Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns, Schuldezernent Horst Müller-Baß und der Leiter der Schulverwaltung Jürgen Grundmann Schulen, um sich vor Ort ein Bild von den Bedingungen zu machen. „Wir wollen schauen, wie es in der Praxis aussieht und ob es drängende Probleme gibt, bei denen der Schulträger schnell Hilfe leisten kann“, sagte Kleine-Frauns bei Vor-Ort-Terminen in der Heinrich-Bußmann-Schule und der Ludwig-Uhland-Realschule.

 

In die Heinrich-Bußmann-Schule kommen derzeit knapp 60 der eigentlich etwa 400 Schülerinnen und Schüler zum Unterricht. Sie stehen vor ihrem Hauptschulabschluss oder dem Mittleren Schulabschluss. In fünf Lerngruppen sitzen sie in fünf Klassenräumen, die Tische weit auseinandergestellt: Anderthalb Meter Abstand sollen eingehalten werden. Regelmäßiges Händewaschen ist selbstverständlich, im Eingangsbereich hat die Schule einen Spender für Händedesinfektionsmittel aufgestellt und auf dem Schulhof gibt es abgetrennte Bereiche für die einzelnen Gruppen. Mehrmals am Tag werden alle Kontaktflächen abgewischt und desinfiziert.„Die Schülerinnen und Schüler müssen gedanklich erstmal wieder ankommen“, sagte Schulleiterin Melanie Froch. Kommen sie denn gerne wieder zur Schule? „Wir spüren schon bei vielen die Erleichterung darüber, dass sie vor den Prüfungen noch einmal angeleitet werden“, so die Schulleiterin. Von der Schulverwaltung fühle sie sich gut betreut, sagte sie in Richtung des Schuldezernenten Müller-Baß. „Wenn etwas fehlt, dann sprechen wir miteinander und dann wird wenn möglich Abhilfe geschaffen.“


Ein Problem haben Froch und ihr Konrektor Thorsten Fringes aber, wenn sie in die Zukunft schauen. Derzeit klappe das Verteilen der Schülerinnen und Schüler auf die Räume gut, aber: „Wenn jetzt noch mehr kommen sollen, wird es schwierig. Wir sind an der Grenze, was die Kapazität unter den momentanen Hygiene-Anforderungen angeht“, sagte Melanie Froch. Bürgermeister Jürgen Kleine-Frauns pflichtete ihr bei: „Bis zu 400 Schülerinnen und Schüler hier unter den aktuellen Bedingungen zu unterrichten, ist völlig undenkbar.“


Benjamin Müller, Schulleiter der Ludwig-Uhland-Realschule, hätte zwar räumlich noch etwas Luft nach oben, sieht aber ebenfalls Herausforderungen in der Zukunft: „Unser dringliches Problem gerade ist, dass wir gar nicht wissen, ob und wann mehr Klassen kommen. Das muss ja organisiert werden, es braucht beispielsweise Stundenpläne“, schilderte der Schulleiter im Gespräch mit Kleine-Frauns und Müller-Baß. Konrektorin Katja Pinkerneil-Hilff bestätigte: „Der Zeitfaktor ist das Kritische. Innerhalb von drei Tagen müssen neue Stundenpläne her, aber die Software kann beispielsweise die Situation gar nicht abbilden. Dann sucht man plötzlich wieder nach den alten Stecktafeln, an denen man früher die Stundenpläne gebaut hat.“ Ansonsten sei genügend Material vorhanden, sagten Schulleiter und Konrektorin. Die Schülerzahl sei auch noch so überschaubar, dass die Ausstattung mit Seife und anderen Verbrauchsmaterialien an ihrer Schule kein Thema gewesen sei.


Rund 80 von 550 Schülerinnen und Schülern werden gerade an der Ludwig-Uhland-Realschule auf ihre Prüfungen vorbereitet. Auch hier hat die Schulleitung die Klassen geteilt. Die Stimmung sei gut, berichtete Müller. „Alle sind diszipliniert, befolgen die Hygienemaßnahmen und zeigen Verständnis.“ Mitunter komme es zu kuriosen Situationen, schmunzelt der Schulleiter: „Wir bitten die Schülerinnen und Schüler zum Beispiel, während des Unterrichts zur Toilette zu gehen, um das Gedränge in der Pause zu vermeiden. Das ist ja ziemlich genau das Gegenteil von dem, was wir sonst anmahnen.“


Einig waren sich die Schulleitungen mit Bürgermeister Kleine-Frauns und Schuldezernent Müller-Baß darüber, dass die Herausforderungen, vor denen Schulen und Schulträger gerade stehen, sehr groß sind. „Schulen und Schulträger sind eine Solidargemeinschaft, wir übernehmen gemeinsam die Verantwortung für die Sicherheit der Schülerinnen und Schüler“, betonte Schuldezernent Müller-Baß und erneuerte das Angebot an alle Schulen, bei Problemen auf die Schulverwaltung zuzukommen.

Ärgerlich fanden es Müller-Baß und Kleine-Frauns, dass NRW-Ministerpräsident Armin Laschet am Sonntagabend in der ARD-Talkshow „Anne Will“ den Kommunen als Schulträger vorgeworfen hatte, die Zeit nicht genutzt zu haben, um die Schulen wieder auf eine Öffnung vorzubereiten. „Das ist ein Schwarzer-Peter-Spiel, das kein Mensch braucht“, sagte der Bürgermeister beim Termin in der Ludwig-Uhland-Realschule. Außerdem werfe das ein schlechtes Licht auf die vielen engagierten Menschen in den Schulen und bei der Stadtverwaltung, die die Schulöffnungen innerhalb kürzester Zeit vorbereitet hätten.